Der Mann, der Weihnachen liebt

Er lebt bereits lange allein.
Es hat sich eingespielt, sein Leben, ist gut so wie es ist.
Heute ist Heiliger Abend.
Am Vormittag schrubbt er Böden, wienert und poliert, schuftet, schwitzt und putzt alles blank.
Dann kauft er Schnittblumen, haufenweise schleppt er sie in Kartons nach Hause, schmückt alle Zimmer, ein Blumenmeer, duftend und bunt, nur für ihn.
Mittags nimmt er ein ausgedehntes heißes Bad, kleidet sich neu, gönnt seinem Bett blütenweiße, gebügelte, frische Laken.
Dann sitzt er gemütlich im Lesesessel, lauscht der Geschichte „Hilfe, die Herdmanns kommen“, genießt Kuchen, Jasmintee, entspannt.
Zur Bescherung schenkt er sich neue Unterwäsche, weiße Rippenoptik im Dreierpack, wie in seiner Kindheit.
Er holt seinen Kartoffelsalat und die Würstchen, entzündet überall Kerzen, isst am stilvoll gedeckten Tisch.
Kurz vor Mitternacht macht er sich auf den Weg zur Christmette, spaziert durch die Stadt, warm eingepackt schaut er in hell erleuchtete Fenster, ein Mann, der Weihnachten liebt.